Verkehrspolitik

Der Fels in der Brandung

…aus der Reihe Luftschlösser der autogerechten Stadt

Es bietet sich ein eigenartiges Bild, wenn man an der Ampel in der Geradeaus-Spur steht und sich mitten auf der Straße vor einem ein gestandenes Wohnhaus in den Weg stellt. Diese Kuriosität in der Berliner Hohenstaufenstraße ist ein plastisches Beispiel dafür, wenn verkehrsplanerische Idealvorstellungen gepaart mit politischen Machtverhältnissen am Widerstand ortsansässiger Bewohner scheitern.

Hohenstaufenstraße

Wir schreiben das Ende der 1970er Jahre in Westberlin. Der Senat hat mit der Verabschiedung des Flächennutzungsplans in der Dekade zuvor die Grundlage geschaffen für die gegliederte und aufgelockerte Stadt im Sinne der Charta von Athen. Die Kernidee ist, die Stadt nach ihren Funktionen Wohnen, Arbeit und Erholung schrittweise zu entmischen und die dadurch bedingten großen Raumdistanzen durch leistungsfähige und zeitsparende Verkehrsachsen miteinander zu verknüpfen. Leistungsfähig heißt vor allem technisch auf die Fahreigenschaften des Automobils optimiert und möglichst kreuzungsfrei trassiert, um Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern zu reduzieren. Oft zu Gunsten des Automobils bei gleichzeitiger Belastung aller anderen Verkehrsteilnehmer. Nunmehr nimmt also das Ideal der autogerechten Stadt an vielen Orten seine Formen an.

So sollte auch der Straßenzug Hohenzollerndamm, Hohenstaufenstraße und Pallasstraße zu einer Hauptverkehrsstraße aufgewertet und verbreitert werden. Das Verfahren lief so ab: Planungsrechtlich durch festgesetzte Bebauungspläne legitimiert, kaufte die Stadt die potentiellen Straßengrundstücke auf. Anschließend wurden die Bewohner umgesiedelt, deren Häuserzeilen abgeklopft und die Straßenräume verbreitert. So ritzten sich die Bagger wie ein Messer durch das Stadtgefüge durch. Bis sie am Wohnhaus mit der Nummer 22 ankamen. Continue reading…

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