Denkmalschutz

Skelett im Bikini

Posted by Florian on Mai 10, 2016
Architektur, Denkmalschutz, Nachkriegsmoderne / No Comments

In der Nachkriegszeit herrschte der unbändige Drang nach Wiederaufbau der zerstörten Großstädte. Damit einher ging das Gefühl der Hoffnung auf steigendem Wohlstand. In dieser Zeit entstand gegenüber der teilzerstörten Gedächtniskirche das Bikini-Haus, welches aus heutiger Sicht die typischen Merkmale der „Fifties“ trug: Kompakte Gebäudekubatur, dennoch luftige Fassadengestaltung mit klarer Ornamentik. Die Liebe zum Glas war im Kommen und man erfreute sich an goldmetallenen Zierleisten an Fenster und Türen.

Knapp sechzig Jahre später erstrahlt das Gebäude äußerlich wieder im alten Glanz und versprüht ein wenig den früheren Wiederaufbauenthusiasmus.

Bikinihaus_1

Zeigt sich das Bikini-Haus äußerlich im Gewand der 1950er Jahre, so überrascht der Blick ins Innere. Unter den Bikini geschaut, quasi ins Innere des Körpers, offenbart sich ein grün getünchtes Skelett nebst Organen in nacktem Beton. Eine Mischung aus dekonstruktivistisch-verwinkelter Tragwerke und aufgemöbelter Industriehalle soll die Ungewöhnlichkeit des Gebäudes vermitteln.

Bikinihaus_2

Es ist ein Gebäude des Designs und der Mode. Klamottengeschäfte aneinandergereiht an Designerläden, die eher wie Ausstellungen von Gegenwartskunst wirken. Dennoch erlebt das Gebäude derzeit einen bemerkenswerten Zuspruch von den Besuchern. Gleichwohl sich die wenigsten tatsächlich in die Läden begeben.

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Epos der Befreiung

Posted by Florian on Mai 10, 2016
Denkmalschutz / No Comments

Fast episch gestaltet sich das Sowjetische Ehrenmal in Berlin Treptow. 1949 auf dem Terrain einer früheren hippodromartigen Sport- und Spielwiese erbaut, gelang dem Schöpferkollektiv um Belopolski eine bemerkenswerte Inszenierung der Befreiung Berlins durch die Sowjettruppen.

SowjEhrenmal_1

Der Besucher wird durch geschickte Bespielung der Stätte mit Elementen der Gartenbaukunst wahrlich geleitet. Zu Beginn gelangt man auf eine lang gezogene und breit ausgeführte Rampe, die den Blick wie bei einem Teleobjektiv auf die in weiter Ferne befindliche Skulptur lenkt. Die Sicht wird dabei noch künstlich durch zwei stilisierte Fahnen eingeengt, die Rampe ist flankiert von in Reihe gepflanzter Trauerweiden. Am Ende der Rampe eröffnet sich dem Betrachter schließlich folgendes Bild:

SowjEhrenmal_2

Hat man die Rampe erklommen, eröffnet sich die Monumentalität und Weite des Mahnmals. Von ausgedehnten Marmorflächen und quadratisch angeordneten Gräberinszenierungen flankiert, wird die Statur nun Bestandteil eines Gesamtwerkes. Sie stellt einen Soldaten dar, der auf dem Arm ein Kind haltend ein Hakenkreuz zertritt. Links und rechts der Fläche befinden sich Marmorsarkophage, die Zitate von Josef Stalin tragen. Wie ein Buch liegt dem Betrachter eine Granitplatte zu Füßen mit der Aufschrift „Die Heimat wird ihre Helden nicht vergessen“. Eingerahmt wird die Gesamtanlage durch in Reihe angeordneter haushoher Pappeln, die die Umgebung bewusst ausblenden sollen und so den Blick auf das Innere konzentrieren. Die Pappeln stammen noch von der alten Sportwiese ab, die in das Mahnmal integriert wurden.
Gewiss mag das Ehrenmal vordergründig den Sieg der Sowjets über Berlin würdigen, was auf beeindruckende Weise gelungen ist. Verkannt werden dabei jedoch die Greueltaten an Zivilisten und getöteter Unschuldiger durch den Vormarsch der Roten Armee. Dennoch stellt das Ehrenmal, welches das größte seiner Art ist, ein wichtiges Zeitzeugnis in der Geschichte Berlins und Deutschlands dar.

Beide Fotos sind mit Absicht dramatisiert um die Monumentalität besser zu vermitteln.

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